Import & Export von Virtuellen PC



Voraussetzungen


Die Installation von VirtualBox ist die einzige Voraussetzung:
Man kann damit jeden importierten virtuellen PC betreiben.

Die Installation von Software erfordert meist privilegierte (Administrator)-Rechte. Dadurch wird die Verwendbarkeit von virtuellen PC auf fremden realen Arbeits-PC eingeschränkt: Wenn VirtualBox nicht installiert ist, und wenn man es selbst nicht installieren darf, dann ist der Betrieb von virtuellen PC des Typs 'VirtualBox' nicht möglich.

Eine interessante Alternative bieten Micro-PC wie z.B. der → Raspberry µC: Man kann sie als Gast in jedem beliebigen Netzwerk betreiben. Dazu braucht man weder spezielle Software noch besonderen Rechte an einem PC, sondern lediglich die Erlaubnis, das (WLAN)-Netzwerk zu benutzen.

Import


Die gesamte Konfiguration des Virtuellen PC ist in einer Text-Datei *.vbox enthalten, die man mit jedem Text-Editor-Programm öffnen, ansehen und ändern kann. Man kann diese Datei allerdings nicht immer in eine neue Umgebung verpflanzen.

In den weiteren Absätzen dieses Kapitels wird daher beschrieben, wie man die Konfiguration am eigenen Arbeits-PC neu erstellt - Diese Methode funktioniert in jedem Fall problemlos.
• Voraussetzung: Die Festplatten-Datei *.vdi des gewünschten virtuellen PC ist an ihrem realen Arbeits-PC verfügbar (auf der realen Festplatte, auf DVD, USB- oder einem anderen Datenträger).

Tipp: Legen sie eine Sicherungs-Kopie der Festplatten-Datei an. Sie können damit jederzeit einen neuen virtuellen PC herstellen, wenn ihr importierter virtueller Arbeits-PC beschädigt wurde.


Festplatten-Datei

(3) Kontrollieren sie jenes Verzeichnis (Ordner) ihres realen Arbeits-PC, in dem die Dateien aller virtuellen PC verwaltet werden.
Diesen Pfad kann man im Menü Datei / Globale Einstellungen / Allgemein / Pfad zu den VMs des Programms VirtualBox ablesen oder ändern.

• Im VM-Pfad sollte sich ein leeres Verzeichnis (Ordner) mit dem Namen des neu angelegten Virtuellen PC befinden (z.B. 'ImportPC').
• Kopieren oder verschieben sie die importierte Festplatten-Datei *.vdi in dieses Verzeichnis. (Bei ↓ mobiler Anwendung kann diese Kopie entfallen).


(5) Der importierte virtuelle PC ist nun arbeitsbereit.
Es ist jedoch sinnvoll, vorher noch einmal alle Details der Konfiguration zu kontrollieren:

Markieren sie den importierten PC im linken Fenster von VirtualBox und wählen sie im rechten Fenster der Reihe nach alle Optionen Allgemein ... Beschreibung.
Ändern sie nur solche Optionen, deren Bedeutung sie verstehen.


Massenspeicher: Im Fenster Massenspeicher ist typisch bereits 1 Controller mit 2 virtuellen Geräten eingetragen (Festplatte und CD/DVD).
Markieren sie das CD/DVD-Icon und klicken sie danach das zweite CD-Icon (ganz rechts). Wählen sie aus der Aufklapp-Liste Host-Laufwerk: Damit kann der virtuelle PC das CD/DVD-Laufwerk des realen Host-PC mit-verwenden. Hier kann man bei Bedarf auch einen virtuellen Datenträger 'einlegen' = eine Datei *.iso die z.B. aus dem Internet geladen wurde, oder die man mit jedem Brenn-Programm aus einer realen CD/DVD erzeugen kann.

Netzwerk: Der virtuelle PC soll sich normalerweise unabhängig vom realen PC beim LAN/WLAN-Router ihres Netzwerks anmelden. Dazu muss das virtuelle Netzwerk-Interface Adapter-1 aktiviert (markiert) sein und die Option Angeschlossen = Netzwerkbrücke (Bridged) eingestellt sein.
Später muss man evtl. auch den Router so einstellen, dass dem Virtuellen PC der Zugang zum Internet und zum Lokalen Netzwerk (LAN) erlaubt wird.

USB: Sollte normalerweise aktiviert sein. Im Gegensatz zu einem CD/DVD-Laufwerk kann ein USB-Laufwerk nur entweder vom realen PC oder vom virtuellen PC benutzt werden. Die Umschaltung erfolgt im Fenster eines laufenden virtuellen PC mit dem Menü Geräte / USB-Geräte.


(7) Start

Wenn der importierte Virtuelle PC konfiguriert ist, kann man ihn mit Klick auf den grünen Pfeil von VirtualBox starten. Der PC öffnet sich in einem eigenen Fenster.

Die weiteren Arbeiten unterscheiden sich nicht von jenen an einem realen PC. Als Faustregel gilt, dass man die Einstellungen (z.B. des Netzwerks) genauso vornimmt wie an jedem anderen realen PC des gleichen Netzwerks.

Wenn der Virtuelle PC von einem wenig erfahrenen Amateur hergestellt wurde, dann sind evtl. die Gast-Erweiterungen nicht installiert. In diesem Fall passt sich der Virtuelle PC nicht an eine beliebige Fenster-Größe an, Maus und Tastatur werden nicht automatisch zwischen dem realen und dem virtuellen PC gewechselt.
Verwenden sie zur Installation am laufenden virtuellen PC das Menü Geräte / Gasterweiterungen installieren. Alle weiteren Schritte erfolgen an einem virtuellen Windows-PC automatisch. An virtuellen Linux-PC ist das normalerweise nicht notwendig: Moderne Linux-Systeme installieren die Gast-Erweiterungen bei Bedarf automatisch und ungefragt.

Einbindung des Gemeinsamen Ordners an einem laufenden virtuellen Windows-PC: Öffnen sie (je nach Windows-Version) das Fenster Arbeitsplatz oder Computer: Wenn sie hier neben Festplatte (C:\) und CD/DVD-Laufwerk ein Netzlaufwerk finden, dann können sie dieses bereits verwenden.
Herstellung einer neuen Verbindung mit dem Menü Extras / Netzlaufwerk verbinden:
Wählen sie einen freien Laufwerks-Buchstaben nahe dem Ende der Liste, z.B. X:
Klicken sie Durchsuchen, um alle im Netzwerk erreichbaren Laufwerke anzuzeigen. Wählen sie VirtualBox Shared Folders / \\Vboxsvr und den Namen des gemeinsamen Ordners. Der Wert im Feld Ordner sollte danach ungefähr so aussehen:
\\VBOXSVR\Gemeinsam
Markieren sie das Kästchen Verbindung ... wiederherstellen und klicken sie Fertigstellen.
Im Fenster Arbeitsplatz / PC erscheint ein zusätzliches Netzlaufwerk, welches man am virtuellen PC wie eine Festplatte verwenden kann.



Mit schnellen Medien (USB-Festplatte, USB-3-Stick, ...) kann man direkt (ohne Kopie der Festplatten-Datei) arbeiten.

Bei der Konfiguration des Virtuellen PC gibt man den Pfad zur mitgebrachten Festplatten-Datei an, ohne dass diese auf die Festplatte des realen PC kopiert wurde.
Mit etwas Übung kann man die Einrichtung eines virtuellen PC in 1-2 Minuten durchführen.

Auch nach der Arbeit ist keine (umgekehrte) Kopie notwendig, weil sich die verwendete Original-Datei *.vdi am portablen Datenträger befindet.

Export & Clone


Das funktioniert jedoch nur in einem fremden Netzwerk, denn im eigenen lokalen Netzwerk kollidieren die zwangsläufig identischen Hardware-(MAC)-Adressen der virtuellen Netzwerk-Interface.
Erstellen sie daher an Stelle der Kopie besser einen ↓ Clone.



Geduld - Die Herstellung der Clone-Datei dauert einige Zeit !

• Man findet die neue Clone-Datei *.vdi normalerweise im gleichen Verzeichnis (Ordner) wie die Original-Datei.
• Mit der geclonten Festplatten-Datei kann man sowohl im eigenen Netzwerk als auch in jedem anderen Netzwerk einen neuen virtuellen PC herstellen (z.B. so wie im Kapitel ↑ Import beschrieben).
• Wenn sie mehrere Versionen des gleichen virtuellen PC in einem Netzwerk betreiben wollen, dann müssen sie ebenso viele Clones herstellen.


Software

• Freeware und Shareware lässt sich meist beliebig oft clonen.
• Kommerzielle Software funktioniert manchmal nur der jeweils gekauften Anzahl von Versionen. In diesem Fall muss man die virtuellen PC zuerst clonen, und danach die Software einzeln installieren.
• Software mit Ablauf-Datum kann man meist nur 1mal installieren. Man kann jedoch nach Ablauf der Frist den gesamten virtuellen PC löschen und die Software an einem sauberen Clone erneut installieren.



• In einem weiteren Abschnitt installiert und konfiguriert man all jene Standard-Programme, die man in jedem virtuellen PC braucht, unabhängig von dessen Spezialisierung.
Der Zeit-Aufwand für diese Arbeit ist meist erheblich. Es zahlt sich aus, dabei besonders sorgfältig vorzugehen. Nach dem Abschluss sollte man den virtuellen PC ↓ säubern und kompaktieren, und danach einen Clone herstellen:
Aus diesem Clone erzeugt man in der Folge alle weiteren spezialisierten virtuellen PC. Dabei spart man jeweils die gesamte bereits investierte Arbeit, man muss nur die zusätzlich gewünschten Spezial-Programme installieren.

Tipp: Es ist besser, mehrere virtuelle PC herzustellen, die jeweils auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert sind (z.B. Büro, Grafik, Entwicklung, ...). Man vermeidet damit die Probleme der meist völlig überladenen realen Arbeits-PC und erhält schlanke virtuelle PC, die fehlerfrei und besonders schnell arbeiten.
Man kann darüber hinaus auf viele Sicherungs-Maßnahmen verzichten, z.B. auf PC-Firewall und Anti-Viren Software, Anlegen mehrerer User, Einschränkung von Rechten, etc: Wenn ein Virtueller PC beschädigt wird, dann wird er gelöscht und durch neuen Clone ersetzt.

Säuberung


Wenn man Clones von virtuellen PC herstellt, um sie zu exportieren oder als Ausgangspunkt für weitere virtuelle PC zu verwenden, dann ändert sich die Situation:
In diesem Fall bleibt der Aufwand gleich, die damit erzielten Vorteile vervielfachen sich jedoch.
Daher ist es sinnvoll und empfehlenswert, jeden Virtuellen PC gründlich aufzuräumen, bevor man davon Clones herstellt.

Tipp: Erzeugen sie unbedingt vor Beginn der Säuberung einen Sicherungs-Clone !   Mit den beschriebenen Arbeiten kann man Betriebs- und Dateisystem irreversibel beschädigen.


• Installer
Nach erfolgreicher Installation von Programmen sollte man die Installer-Programme löschen. Sie gehören allenfalls in ein Software-Archiv, nicht jedoch auf einen virtuellen PC.

• Sicherungs-Kopien
werden auf realen Festplatten, USB-Speichern, CDs oder DVDs aufbewahrt, nicht jedoch auf virtuellen PC.

• Müll
Wenn alle überflüssigen Dateien gelöscht sind, wird der Mistkübel am Desktop entleert.
Allein mit den bisherigen Maßnahmen schafft man meist viel freien Platz auf der virtuellen Festplatte.

Mit dem Löschen werden die Daten nicht entfernt, es wird lediglich der von ihnen belegte Speicherplatz zur weiteren Verwendung freigegeben. Das Löschen ist allerdings Voraussetzung für alle weiteren Schritte.
Nach dem Löschen sollte auf der virtuellen Festplatte mindestens 10-20% Platz frei sein.



Mit der Defragmentierung werden Dateien an andere Block-Adressen kopiert, von denen sie nach Möglichkeit schneller geladen werden. Große Dateien werden in hintereinander liegenden Blöcken gespeichert und freie Blöcke zu wenigen möglichst langen Leer-Bereichen zusammengefasst.
Verwenden sie auf Windows Dienstprogramme wie dfrg.msc oder das Konsolen-Programm
C:\> defrag.exe C:
Auch mit der Defragmentierung werden keine Daten entfernt. Es ist danach allerdings schwieriger, die gelöschten Dateien wiederherzustellen.

Unterbrechen sie die Defragmentierung keinesfalls !

Microsoft: Defragmentieren mit Windows-XP, Windows-7, Optimieren mit Windows-8


Zum Ausnullen verwendet man u.a. das Konsolen-Programm sdelete.exe, das man kostenfrei aus dem Internet laden kann (z.B. von  Microsoft)
Anwendung zum Ausnullen der Festplatte C:
C:\> C:\Programme\sDelete\sdelete.exe -z C:\

Diese Arbeit kann einige Minuten dauern, unterbrechen sie keinesfalls !


Das Programm VirtualBox bietet derzeit keine eigene Option zum Kompaktieren einer Festplatten-Datei *.vdi
Beim Clonen wird die neu erzeugte Datei jedoch automatisch kompaktiert: Sie kann wesentlich kleiner als die Original-Datei sein, wenn der Virtuelle PC vorher gut aufgeräumt wurde.

Alternativ kann man Festplatten-Dateien mit dem Konsolen-Programm vboxmanage kompaktieren, auch ohne einen Clone herzustellen:
C:\> vboxmanage modifyvdi C:\...\MeinPC\meinpc.vdi compact
Ersetzen sie den angedeuteten Pfad durch den Pfad zur Datei *.vdi an ihrem realen PC. Allenfalls genügt der Programm-Name (vboxmanage) nicht, man muss dann den gesamten Pfad zum Programm angeben.