Herstellung eigener virtueller Computer



Voraussetzungen


Reale Hardware

Im Hauptspeicher und auf der Festplatte des realen Host-PC muss genug Platz für den Betrieb mindestens eines virtuellen PC sein.

Der Hauptspeicher (RAM) wird zwischen dem realen Host-PC und allen gleichzeitig laufenden virtuellen PC geteilt. Das funktioniert in der Praxis erst ab >2GiB, besser sind 4...16 GiB.

Auf der Festplatte braucht man mindestens 10...20 GiB freien Platz für die Festplatten-Datei *.vdi eines virtuellen PC und möglichst auch für eine Sicherungs-Kopie.

Wenn die Resourcen ihres realen Host-PC knapp sind, dann ist es sinnvoll, nur sparsam ausgelegte virtuelle PC zu verwenden: Installieren sie möglichst anspruchslose Betriebssysteme, z.B. ältere Versionen. Diese kommen meist mit weniger Hauptspeicher und kleineren (virtuellen) Festplatten aus.
Der sparsamste System dürfte Windows-2000 sein: Ein kompletter virtueller PC mit System und allen Standard-Programmen hat auf einer 2GiB-Festplatte Platz und kommt notfalls mit 64MiB (!) Hauptspeicher aus.


Internet

Die Installations-Programme aller modernen Betriebssysteme setzen eine funktionierende Verbindung mit dem Internet voraus.
Auch dann, wenn ihr virtueller PC später ohne Internet auskommen soll, ist es ratsam, während seiner Installation das Internet zu benutzen.
Die Verbindung sollte bereits bestehen, bevor sie den virtuellen PC zur Installation des Betriebssystems starten.

In der → Konfiguration von VirtualBox wird die Einstellung im Menü Datei / Globale Einstellungen / Proxy festgelegt. Stellen sie die Optionen im Zweifel genauso ein wie für ein Browser-Programm ihres realen PC.

Es ist zwar möglich, ein Betriebssystem auch ohne Internet zu installieren, das ist jedoch mühsam und nur für erfahrene AnwenderInnen ratsam.

Betriebssystem und Software


Standard-PC

Man beginnt mit der Erzeugung eines Basis-(Standard)-PC.
Zuerst wird das Betriebssystem installiert, danach die üblichen Aktualisierungen (Service-Packs, Updates, ...). Neben dem Administrator wird nur ein einziger User installiert.
Anschließend wird die immer benötigte Standard-Software installiert, z.B. Text-Editor, Grafik-Betrachter, Internet-Browser, Archiv-(Zip)-Software, usw.
Betriebssystem und Software wird möglichst sorgfältig konfiguriert.
Zuletzt werden vom Virtuellen PC alle nicht mehr benötigten Dateien gelöscht, z.B. Software-Installer, Sicherungs-Kopien, Beispiel-Dateien, alle Dateien der temporären Verzeichnisse, das Browser-Cache, usw.

Wenn ein Basis-PC fertig gestellt ist, dann erzeugt man davon ↓ Clones (spezielle Kopien).
An jedem Clone installiert man danach die für die individuelle Aufgabe benötigte Software. Darüber hinaus werden keine weiteren Programme installiert: An Stelle eines schwerfälligen Allzweck-PC erzeugt man bei Bedarf einfach einen weiteren Clone.


Sicherheit

Die Sicherheit spielt an einem virtuellen PC eine geringe Rolle: Bedenken sie, dass ein virtueller PC in Wahrheit nur ein Anwendungs-Programm ist, wie z.B. ein Browser oder ein Programm zur Textverarbeitung.

Die Firewall an der Schnittstelle zum Internet (=am Router) muss unbedingt funktionieren.
In einem kleinen Netzwerk kann man dann (mindestens auf virtuellen PC) auf PC-Firewall und Anti-Viren-Software vollkommen verzichten.

Es ist weder notwendig noch sinnvoll, mehrere User-Konten anzulegen, da man an einem virtuellen PC am besten als Administrator mit allen Rechten arbeitet - ausdrücklich entgegen den strikten Regeln, die z.B. auf realen Linux-PC gelten.

Die vielen leidigen Updates aller möglichen Programme kann man getrost abschalten. Es ist besser, einmal jährlich einen neuen Clone zu erzeugen und darauf die aktuellen Programm-Versionen zu installieren.

Derartige Maßnahmen sind für erfahrene AnwenderInnen ungewohnt aber sinnvoll. Der virtuelle PC wird dadurch kleiner, schneller und einfacher zu bedienen.

Die notwendigen Sicherheits-Maßnahmen werden auf den (W)LAN-Router, auf den realen Host-PC und - wenn vorhanden - auf den Server-PC verlegt. Dort ist allerdings besondere Sorgfalt sinnvoll und notwendig.

Wenn an einem virtuellen Arbeits-PC Probleme auftreten, dann wird er gelöscht und durch eine neue Kopie ersetzt. Das dauert nur Minuten und steht in keinem Verhältnis zur manchmal Tage dauernden Reparatur eines realen PC.


CD/DVD-Ersatz

Viele Hersteller rüsten ihre CDs zwangsweise mit einem (Windows)-Installer aus, obwohl das fast nie sinnvoll ist. Dadurch sammeln sich im Laufe der Zeit viele kaum benutzte Programme (meist zweifelhafter Qualität) an.
Man erzeugt einen eigenen virtuellen ↓ Clone-PC.
Die CDs werden auf *.iso‑Dateien gebrannt und in den Pfad des virtuellen PC verschoben (wo sich auch dessen Festplatten-Datei *.vdi befindet).
In der Konfiguration des Virtuellen PC werden alle *.iso-Dateien im Register Massenspeicher verbunden. Man kann weitere IDE-Controller hinzufügen, wenn die Anschlüsse des 1.Controllers nicht ausreichen.
Der Virtuelle PC wird gestartet. Alle CDs werden mit ihren jeweiligen Installer-Programmen installiert.
Dieser Virtuelle PC ist unbeschränkt portabel: Man kann ihn ohne Installation unerwünschter Software und ohne die realen CD-Medien auf jedem beliebigen realen PC verwenden.

Gesamt-Lösungen

Auf einem virtuellen PC sollte man zwar keine Daten speichern, man kann allerdings Kopien von Daten installieren, die anderswo sicher verwaltet werden.
Damit kann man z.B. portable MultiMedia-Lösungen herzustellen: Virtuelle Computer, welche die gesamte Software (gebrauchsfertig installiert) und die Daten enthalten. Diese virtuellen PC kann man transportieren und auf jedem gängigen realen PC verwenden - wenn VirtualBox installiert ist.

Entwicklung

Zur Programmierung sind virtuelle PC unverzichtbar. Man erzeugt virtuelle Kopien aller Systeme, für die entwickelt wird.
Beispiel: Zur Web-Entwicklung erzeugt man einen virtuellen PC mit genau den gleichen Komponenten (System, Server, Programmiersprachen) wie am Server des Web-Providers. Auf diesem virtuellen PC wird entwickelt und getestet.

Neuer Virtueller PC


Ein Assistent führt sie durch die wichtigsten Einstellungen.



Wählen sie Typ und Version des neuen virtuellen PC-Systems aus den Aufklapp-Listen. Wenn sie keine passenden Einträge finden, dann wählen sie eine möglichst ähnliche Version.
Nur 32-Bit-Versionen von Betriebssystemen sind unbegrenzt portabel.



Der Vorschlag von VirtualBox ist meist ein guter Kompromiss.
Für alle (realen und virtuellen) PC gilt, dass man eine minimale Speicher-Größe braucht, und dass man mit mehr Speicher schneller arbeiten kann.



Wenn sie bereits eine Festplatten-Datei importiert haben, dann verschieben sie diese in das neu erzeugte Verzeichnis (Ordner) mit dem Namen des Virtuellen PC.
Wählen sie danach die Option Vorhandene Festplatte.
Details zum → Export, Transport und Import von virtuellen PC



Wählen sie den Typ VDI, wenn keine wichtigen Argumente dagegen sprechen.
Eine spätere Typ-Umwandlung ist technisch möglich, jedoch unsicher und nicht empfehlenswert.



Wenn sie die Option Feste Größe wählen, dann wird die Festplatten-Datei mit der maximalen Größe angelegt - unabhängig davon, wie viele Daten darauf gespeichert sind.



Legen sie die maximale Größe der virtuellen Festplatte fest. Eine spätere Änderung ist - wenn überhaupt möglich - anfällig gegen Fehler und nicht empfehlenswert.
Ein virtueller PC hat wesentlich (!) geringere Ansprüche an die Größe der Festplatte: Sie braucht nur Platz für das Betriebssystem und die gewünschten Programme zu bieten.
System und Programme werden nur im unbedingt notwendigen Ausmaß installiert, Daten überhaupt nicht gespeichert. Typische virtuelle Festplatten sind daher nur 4...10 GiB groß.
Bleiben sie unter der Grenze von 32GiB und spendieren sie dem Virtuellen PC lieber mehrere Festplatten-(Dateien), falls das nicht genügen sollte.



Nach der Erzeugung erscheint der neue Virtuelle PC im linken Fenster des Programms VirtualBox.
Nun sollte man die Details der ↓ Konfiguration kontrollieren und bei Bedarf ändern.

Konfiguration


Markieren sie den virtuellen PC im linken Fenster von VirtualBox. Nun kann man die Details der rechts angezeigten Optionen kontrollieren und einstellen.


Das Register Erweitert bietet einige praktische Optionen:
Aktivieren sie die gemeinsame Zwischenablage, damit 'Kopieren - Einsetzen' zwischen dem realen Host-PC und dem virtuellen PC funktioniert.
Löschen sie die Markierung von der Option Entfernbare Medien merken, damit diese nach dem Auswerfen 'vergessen' werden.


Die Boot-Reihenfolge legt fest, auf welchen Medien und in welcher Reihenfolge nach dem Start ein Betriebssystem gesucht wird.
Entfernen sie die Markierung von nicht vorhandenen oder (zum Booten) nicht benutzten Medien (Floppy, Netzwerk)
Die typische Reihenfolge 'CD/DVD vor Festplatte' kann man mit den Pfeil-Tasten einstellen.



Das ist sinnvoll, wenn ein Virtueller PC 'Headless' auf einem Server-PC läuft.
Details zur → Fernsteuerung mit RDP


Markieren sie links das CD/DVD-Laufwerk und klicken sie auf das CD/DVD-Icon im rechten Fenster:
Wählen sie aus der Liste das Hostlaufwerk, um das Laufwerk des realen Host-PC auch für den virtuellen PC zu verwenden. Das ist notwendig, wenn sie z.B. das Betriebssystem des virtuellen PC von einer realen CD/DVD-Scheibe installieren wollen.
Wählen sie aus der Liste Datei...auswählen um ein virtuelles Medium einzulegen, d.h. eine Datei *.iso - Solche Dateien enthalten alle Daten einer CD/DVD. Man kann sie aus dem Internet laden, um z.B. Installer für Linux-Systeme zu erhalten. Alternativ kann man mit jedem CD/DVD-Brenn-Programm *.iso- Dateien aus realen CD/DVDs herstellen und umgekehrt.


Wählen sie das Register Adapter-1 und stellen sie den Typ ein:
Wählen sie Netzwerkbrücke, wenn der reale PC in einem Netzwerk arbeitet. Das trifft in den meisten Fällen zu, d.h. in jedem Betrieb und im privaten Bereich, wenn sie einen (W)-LAN-Router verwenden.
Wählen sie NAT, wenn der reale Host-PC ohne Router-Box über ein Modem mit dem Internet verbunden ist. Das trifft heute nur mehr selten zu.


Rechts neben dem Fenster befindet sich ein Folder-Icon.
Klicken sie es an und wählen sie einen beliebigen Ordner ihres realen PC. Der Pfad zu diesem Ordner sollte kurz sein, der Ordner selbst sollte leer sein oder zumindest keine wichtigen Dateien enthalten.
Es ist empfehlenswert, die Option Automatisch einbinden anzukreuzen.

Details zum Gemeinsamen Ordner im Kapitel ↓ Netzwerk dieser Seite.

Installations-Medium für das Betriebssystem



Wählen sie im rechten Fenster die Option Massenspeicher:
In der Liste sollten mindestens 2 Speicher-Medien angezeigt werden (virtuelle Festplatte, virtuelles CD-Laufwerk).
Markieren sie das CD-Symbol und konfigurieren sie die Attribute. Mit Klick auf das zweite CD-Symbol (ganz rechts) öffnet sich eine Auswahl-Liste.



In der Konfiguration des virtuellen PC muss die (Mit)-Benutzung des realen CD/DVD-Laufwerks konfiguriert werden:

Starten sie VirtualBox und navigieren sie zur Konfiguration des CD-Laufwerks, so wie ↑ im Absatz 'Konfiguration' dieses Kapitels beschrieben.

Wählen sie Hostlaufwerk aus der angezeigten Liste, um eine am realen Host-PC eingelegte CD/DVD zu verwenden.



So wird die Benutzung einer iso-Datei als virtueller Datenträger konfiguriert:

Starten sie VirtualBox und navigieren sie zur Konfiguration des CD-Laufwerks, so wie im Absatz 'Konfiguration' dieses Kapitels beschrieben.
Wählen sie Datei ... auswählen aus der angezeigten Liste und navigieren sie im folgenden Dialog zur gewünschten *.iso Datei.



Markieren sie die sinnvollen Medien und entfernen sie die Markierung von (zum Booten) nicht benutzten Medien (z.B. Diskette, Netzwerk).
Benutzen sie die Pfeil-Buttons zur Einstellung der gewünschten Reihenfolge.
Empfohlen für neu hergestellte virtuelle PC: CD/DVD vor Festplatte.
Nach erfolgreicher Installation kann man die CD/DVD aus dem Laufwerk entfernen oder in der Boot-Reihenfolge die Festplatte bevorzugen.



Der virtuelle PC sollte mit der Installations-CD hochfahren und - je nach Betriebssystem - die möglichen Optionen der Installation anzeigen.

Installation des Betriebssystems


 Jeder moderne Installer braucht eine funktionierende Verbindung mit dem Internet. Stellen sie unmittelbar vor Beginn der Arbeit sicher, dass ihr realer Host-PC Verbindung hat, z.B. durch Öffnen (und Neu-Laden) einer Internet-Seite mit dem Browser.



Eine wichtige Vorgabe ist die Belegung der Tastatur: Linux-Mint und Ubuntu sind (auch hier) vorbildlich, weil das System die Tastatur durch Eingabe einiger Zeichen selbst erkennen kann.



Ändern sie eine vorgeschlagene Konfiguration nur dann, wenn sie genau wissen, was sie damit bewirken. Löschen sie z.B. keinesfalls die von jedem Linux-System zur internen Verwendung vorgeschlagene swap-Partition.

Die nachträgliche Änderung von Partitionen ist nicht empfehlenswert. Dabei besteht die Gefahr, dass alle Partitionen beschädigt werden und die Festplatte neu formatiert werden muss.



Die Entscheidung hat auf einem virtuellen PC keine weitreichenden Folgen: Man kann in jedem Fall Dateien zwischen dem virtuellen PC, dem realen Host-PC und allen anderen PC des Netzwerks austauschen.
Die Formatierung erfolgt auf einer virtuellen Festplatte blitzschnell - ganz im Gegensatz zu einer realen Festplatte.



Unabhängig vom Administrator wird ein weiterer User für die normale Arbeit angelegt, dessen Konto-Name wählbar ist.
Je nach System gibt es Mindest-Ansprüche, die ein User-Name und ein Passwort erfüllen muss.
Nach abgeschlossener Installation kan man mit Administrator-Rechten fast alle Regeln ändern.
Auf einem Virtuellen PC genügt normalerweise ein einziger User (spart Speicherplatz).



Es ist auch in diesem Fall ratsam, der Empfehlung des Installers zu folgen - auch dann, wenn man zahlreiche Änderungen plant: Es ist bequemer und sicherer, die Änderungen auf einem fertig installierten System auszuführen.
Einzig die Entscheidung des Desktops sollte man bereits bei der Erst-Installation treffen.



Linux bietet die Auswahl unter mehreren Desktop-Programmen. Während einer Session kann man nur 1 Desktop-Programm verwenden, nach Abmeldung oder Neustart ein anderes, falls dieses installiert ist.
Linux Desktops bieten die Option, beliebig viele unabhängige Desktop-Fenster des gleichen Typs zu verwenden (sinnvoll 1,2 oder 4).

Wenn sie keine besonderen Wünsche haben, dann folgen sie zur Auswahl des Desktops dem Vorschlag des Installers.
Linux Desktop Vergleich (en)



Manche Systeme (ältere Debian-Linux Versionen) erfordern es, das Installations-Medium vor dem Neustart auszuwerfen.

Nach dem ersten Neustart führt der Installer meist noch einige weitere Arbeiten durch, die erst an einem installierten System möglich sind.

Danach ist das neue Betriebssystem bereit zur Anwendung.



Danach sollte man einen möglichst schlanken Basic-PC herstellen, so wie im Kapitel ↓ Clone beschrieben. Die 'eigentlichen' Anwendungs-Programme werden nicht am virtuellen Basis-PC installiert, sondern erst später auf spezialisierten Clones.

Gast-Erweiterungen (Tools)


Nach Installation der Gast-Werkzeuge kann man u.a. diese Optionen verwenden:
  • Wegfall der Host-Taste (zur Umschaltung von Maus & Tastatur)
  • Dynamische Bildschirm-Größe
  • Gemeinsame Ordner
  • Gemeinsame Zwischenablage


Windows Gast-Erweiterungen

Starten sie den virtuellen PC und verwenden sie das Menü Geräte / Gasterweiterungen (ganz oben) des Virtualbox Fensters, in welchem der virtuelle PC läuft.
Damit werden die Gast-Werkzeuge aus dem Internet geladen und installiert. Die einmalige Installation genügt und muss (am gleichen virtuellen PC) nicht wiederholt werden.
Führen sie nach der Installation einen Neustart des virtuellen PC aus.


Dynamische Bildschirm-Größe

Die Gast-Erweiterungen enthalten einen flexiblen Bildschirm-Treiber:
Man kann das Fenster des virtuellen PC nach Installation der Werkzeuge mit der Maus in eine beliebige Form und Größe ziehen.

Eine Ausnahme sind virtuelle Linux-Server-PC ohne Desktop:
Am Bildschirm sieht man nur die Konsole, deren Breite und Höhe in der Konfiguration des virtuellen PC festgelegt ist.


Gemeionsame Zwischenablage

Im Virtualbox-Menü Allgemein / Erweitert wird (bei abgeschaltetem virtuellen PC) das Verhalten der Zwischenablage konfiguriert:

Meist ist die Option Bidirektional sinnvoll: In diesem Fall kann man beliebige Daten von einem PC (z.B. vom Browser des realen Host-PC) zum anderen PC (z.B. in ein Editor-Fenster des virtuellen PC) kopieren und umgekehrt.

Die Option Drag 'n' Drop wird ähnlich konfiguriert: Damit wird festgelegt, ob man Daten mit der Maus zwischen den Fenstern des realen und des virtuellen PC ziehen kann.



(3) Gast-Erweiterungen laden
Am laufenden Virtuellen PC verwendet man das Menü des VirtualBox-Fensters (ganz oben) Geräte / Medium mit Gasterweiterungen einlegen.
Damit wird eine virtuelle CD mit der passenden Version heruntergeladen und in das Dateisystem des virtuellen PC eingehängt (mount).
Normalerweise erscheint ein Dialogfenster, in welchem die Erlaubnis zur Ausführung von Script-Programmen eingeholt wird. Das funktioniert jedoch meistens nicht, daher wird folgender Trick verwendet:

(4) Gast-Erweiterungen installieren
Kopieren sie alle Dateien der virtuellen CD in ein beliebiges Verzeichnis, z.B. nach /tmp/virtualbox und geben sie alle Rechte an den Dateien frei, z.B. mit
# mkdir /tmp/virtualbox
# cp /media/cdrom/* /tmp/virtualbox
# chmod -R 777 /tmp/virtualbox
Nun kann man die Gast-Erweiterungen mit dem dazu vorgesehenen Programm installieren:
# /tmp/virtualbox/VBoxLinuxAdditions.run
Geduld - Die Installation kann einige Minuten dauern.

(4) Neustart des Systems (des virtuellen PC)
Danach sollten die Gast-Erweiterungen funktionieren, so wie ↑ oben beschrieben.
Auf Debian und verwandten Distributionen wird das Verzeichnis /tmp bei Neustart automatisch gelöscht. Auf anderen Systemen löschen sie das gesamte Verzeichnis selbst:
# rm -R /tmp/virtualbox

Netzwerk


Die Verbindung zum Internet wird fast immer über den jeweiligen (W)-LAN-Router hergestellt, der allerdings dazu konfiguriert sein muss.

Die LAN-Verbindung erfolgt entweder - wenn vorhanden - zum eigenen Server oder mit einem ↓ Gemeinsamen Ordner zum realen Host-PC.



Manche Router sind besonders vorsichtig konfiguriert und verweigern unbekannten Geräten die Dienste. In diesem Fall muss man die Hardware-(MAC)-Adresse des Virtuellen PC ermitteln und in die Konfiguration des Routers eintragen.

Diese Arbeit wird am Virtuellen PC ausgeführt:
Auf Windows erhält man die Physikalische (MAC)-Adresse mit dem Konsolen-Programm
C:\> ipconfig /all
Auf Linux erhält man die MAC-Adresse (HWaddr, link/ether) mit dem Konsolen-Programm
# ip addr show
oder als Administrator root mit
# ifconfig

Zuletzt bleibt noch die Konfiguration der Software am Virtuellen PC: Die meisten Programme finden selbst den richtigen Weg zum Router.
Wenn das nicht funktioniert, dann konfiguriert man das jeweilige Programm genauso wie am realen Host-PC.


Auf Windows kann man einen Ordner mit RechtsKlick im LAN freigeben. Dieses einfache (FileServer)-Angebot kann man von jedem anderen (auch Virtuellen) PC als Netzlaufwerk nutzen. Die Zugangs-Rechte sind beliebig einstellbar.
Einige für einfache Bedienung optimierte Linux-Systeme bieten ähnliche Freigabe-Funktionen wie Windows.

Tipp: Man kann auf jedem Arbeits-PC einen Ordner (z.B. mit dem Namen 'Public') freigeben. Dieser Ordner sollte nur zum Austausch von Daten genutzt werden und ansonsten immer leer bleiben.

Auf einem 'echten' Server-PC ist u.a. auch ein FileServer-Programm ( Samba) installiert: Damit kann man sowohl private als auch gemeinsam genutzte Dateien besser und sicherer verwalten als auf einzelnen Arbeits-PC. Die käuflichen Netzwerk-Festplatten enthalten einen fertig konfigurierten Micro-PC mit Linux-System und Samba-FileServer.

Details zu den Themen → FileServer und → File-Client auf Windows



Wenn die beiden Voraussetzungen (Konfiguration am Host-PC, Gast-Erweiterungen installiert) erfüllt sind, dann kann man den Gemeinsamen Ordner am Virtuellen PC verwenden: Dieser Ordner erscheint hier als Netzlaufwerk (Volume), ähnlich wie das FileServer-Angebot eines entfernten Servers.

An einem virtuellen Windows-PC findet man den Gemeinsamen Ordner in Arbeitsplatz / Computer als Netzlaufwerk. Er wird wie eine zusätziche Festplatte angezeigt und erhält den nächsten freien Laufwerks-Buchstaben.
Öffnen sie das Netzlaufwerk: Darin sollten alle Dateien des gemeinsamen Ordners angezeigt werden.

An einem Virtuellen Linux-PC findet man den Gemeinsamen Ordner in einem der Pfade
/media/sf_*
/var/run/media/<username>/sf_*
/srv/*
wobei der * durch den Namen des Ordners ersetzt ist.

Man kann zur bequemen Verwendung SoftLinks (Alias, Verknüpfungen) zu diesem Pfad legen, z.B.
# ln -s /media/sf_shared /home/username/gemeinsam
Im Beispiel wird der gemeinsame Ordner shared im privaten Verzeichnis des Users username als Ordner mit dem Namen gemeinsam angezeigt.



Eine CD oder DVD kann gleichzeitig von mehreren PC genutzt werden. Legen sie den Datenträger in das Laufwerk des realen Host-PC ein.
Wenn in der Konfiguration des Virtuellen PC das Host-Laufwerk als CD-Laufwerk eingestellt ist, dann erscheint die CD/DVD auch am Virtuellen PC.
Ansonsten verwenden sie das Menü Geräte / CD-DVD-Laufwerke von VirtualBox (am oberen Rand des Fensters des Virtuellen PC).

Eine Virtuelle CD/DVD ist eine *.iso Datei, die man genauso wie eine reale CD/DVD 'einlegen' (Mounten) kann: Verwenden sie dazu das Menü Geräte / CD-DVD-Laufwerke von VirtualBox und geben sie den Pfad zur *.iso-Datei bekannt.
Virtuelle *.iso-Datenträger kann man aus dem Internet herunterladen, oder mit jedem CD/DVD-Brenn-Programm selbst erzeugen.

Clone



Das kostet zwar eine Menge Speicherplatz, sollte aber bei der Größe heutiger Festplatten kein Problem sein.
Bei Beschädigung oder Infektion wird ein Virtueller PC nicht repariert, sondern gelöscht und durch eine neue Kopie ersetzt.



Für jede spezialisierte Arbeit (Aktivität) erzeugt man aus dem Basis-PC einen eigenen Clone, z.B. einen virtuellen Büro-(Office)-PC, einen Grafik-PC, Entwicklungs-PC usw.
An jedem Clone installiert man lediglich die speziall dafür benötigte Software.
Alle Programme haben über den ↑ Gemeinsamen Ordner und/oder das Netzlaufwerk Zugriff auf die Daten, die sich am realen Host-PC oder noch besser am (Intranet, LAN)-Server befinden.

Man kann 'Abhängige Clones' erzeugen. Davon wird abgeraten, wenn es mit fortgeschrittenen (!) Kenntnissen nicht als sinnvoll erscheint.
Solche Clones sind nicht eigenständig und daher auch nicht transportabel.

Je nach Aufgabe wird der passende virtuelle PC gestartet. Bei sparsamer Konfiguration der Virtuellen PC und mit ausreichend Hauptspeicher am realen Host-PC kann man problemlos mehrere virtuelle PC gleichzeitig betreiben. Das mag aufwändig erscheinen, ist jedoch eine sehr empfehlenswerte Alternative zum gleichzeitigen Betrieb zahlreicher Programme an einem einzigen überladenen Arbeits-PC.



VirtualBox legt für den Clone einen neuen Ordner in jenem Pfad an, der im Menü Datei / Globale Einstellungen / Allgemein / Voreingestellter Pfad für die VMs festgelegt ist. In diesem Ordner wird automatisch eine neue Festplatten-Datei *.vdi angelegt. (Geduld !).

Fortgeschrittene AnwenderInnen können Clones mit dem Konsolen-Programm VBoxManage erzeugen, das wesentlich mehr Optionen bietet.

Nach Abschluss erzeugt man mit der geclonten Festplatten-Datei einen neuen virtuellen PC. Der größte Teil der gesamten Installations-Arbeit ist bereits erledigt. Es bleibt nur die Installation der individuellen, für den jeweiligen Zweck gewünschten Programme.


USB-Festplatten sind schnell genug, um einen oder sogar mehrere Virtuelle PC gleichzeitig darauf zu betreiben.
In diesem Fall braucht man nicht einmal Speicherplatz auf der Festplatte des fremden Host-PC und kann die mitgebrachten Virtuellen Computer sofort starten.

USB-Sticks sind je nach Preisklasse verschieden schnell, in der Praxis jedoch meist zu langsam, um einen Virtuellen PC darauf sinnvoll zu betreiben.
In diesem Fall kopiert man den Ordner des Virtuellen PC vom USB-Stick auf die Festplatte des realen Host-PC und startet ihn erst von dort. Die Kopie kann bei billigen USB-Sticks einige Minuten dauern !
Es ist guter Stil, die Dateien des Virtuellen PC wieder von der Festplatte zu löschen, bevor man den fremden PC verlässt.

Nach der Rückkehr sollte man das USB-Gerät auf Viren & anderes Ungeziefer untersuchen. Dabei hat es schon manche Überraschung gegeben...