Tabellen‑Kalkulation

Die Tabellen‑Kalkulation ist das Standard-Werkzeug zum Lösen von Rechen-Aufgaben in der Büro-Praxis. Diese Software ist Bestandteil aller gängigen Office-Pakete.

Geschichte der Tabellen‑Kalkulation


Die Erfindung der Tabellen-Kalkulation geht auf Dan Bricklin (*1951) und Bob Frankston (*1949) zurück.
Bob Frankston
Quelle: Wikipedia (modif.)
1979 startete ihr revolutionäres Programm VisiCalc auf einem Apple-II Computer.
Zu dieser Zeit gab es keine AnwenderInnen-Programme im heutigen Sinne: Man programmierte jede Aufgabe selbst mit → BASIC.
Bricklin und Frankston entwickelten das erste kommerziell verwendbare Programm, das keine Kenntnis einer Programmiersprache erforderte.

Visicalc arbeitete problemlos mit dem 32kiB Hauptspeicher des Apple-II PC. Heutige PC bieten >100000mal so viel Speicher.
Das war nur möglich, weil Visicalc direkt in der 'Maschinensprache' (Assembler) des legendären Prozessors 6502 von Chuck Peddle geschrieben war.

Die PC der 1. Generation (Bild: Apple‑II) hatten keine grafische Oberfläche und keine Maus, sondern nur eine Text-Konsole (wie heute die Linux-Shell oder Windows cmd.exe) und konnten noch keine Farben darstellen.
Quelle: Wikipedia (modif.)
Das änderte sich allerdings rasch, denn die relativ kleinen PC-Hersteller waren weit flexibler als etwa später Microsoft beim Umstieg von DOS auf Windows.

Die erste Tabellen-Kalkulation VisiCalc lief auf Apple-II: Pseudo-Grafik auf einer Text-Konsole, Navigation mit Pfeil-Tasten. Das Programm wäre noch heute verwendbar, man müsste jedoch den Steuersatz von damals (!) 9.75% ändern ...
Das Programm weist alle grundlegenden Merkmale heutiger Kalkulations-Programme auf: Organisation in Spalten und Zeilen, Zellen mit Texten, Daten und Formeln.
Visicalc-Webseite des Entwicklers Dan Bricklin

Die ersten IBM-PC konnten mit ihrer (einfachen) Textverarbeitung die damals überall vorhandenen Schreibmaschinen kaum verdrängen.
Erst mit dem Tabellen-Kalkulations-Programm Lotus-1-2-3 begann der Siegeszug des Personal-PC. Vor allem kleinere Unternehmen kauften PC und führten mit Visicalc oder Lotus ihre gesamte wirtschaftliche Kalkulation durch.

Der Apple Macintosh-PC führte erstmals eine moderne grafische Oberfläche ein, vom Konkurrenten Microsoft zuerst verhöhnt, danach schleunigst nachgeahmt. Damit wurde auch die grafische Darstellung der berechneten Daten rasch und einfach zugänglich.

Versions-Mythen

Es gibt erstaunlich viele Organisationen und Personen, die alle 1-2 Jahre eine neue Version von Büro-Programmen kaufen.
Im Gegensatz dazu hat sich die Funktionalität in den letzten 15 Jahren kaum geändert: Die seit MS-Excel-2000 ergänzten Funktionen werden kaum verwendet und sind den meisten AnwenderInnen sogar unbekannt.
Neue Versionen dieser schon lange ausgereiften Software werden vom Marketing vorangetrieben und sind daher eher eine Mode-Erscheinung als eine inhaltliche Weiterentwicklung.

Alle Tabellen-Kalkulations-Beispiele dieses Webs laufen problemlos mit allen Versionen von MS-Excel ab MS-Excel-2000, die meisten auch auf allen Versionen von LibreOffice und OpenOffice.
Lediglich von einigen Lösungen mit anspruchsvollen → Basic-(Makro)-Programmen gibt es geringfügig abweichende Versionen für MS-Excel (alle Versionen) und LibreOffice (ebenfalls alle Versionen).

Geschichte der Büro-Programm-Pakete


Mit der raschen Ausbreitung der Personal Computer entwickelte sich ein eigener Zweig der Software-Entwicklung für den Bedarf typischer Büro-(Office)-AnwenderInnen.
Zu den beiden ursprünglichen Komponenten Textverarbeitung und Tabellen-Kalkulation kamen im Lauf der Zeit Präsentation, PC-Datenbank (bei MS-Office nicht in allen Versionen) Objekt-Grafik (nur bei LibreOffice und OpenOffice) und Formel-Satz.

Die Praxis der Büro-Arbeit machte es notwendig, oft zwischen den zunächst eigenständigen Programmen zu wechseln und Daten auszutauschen.
Zuerst wurden dazu technische Erleichterungen entwickelt, später wurden die Programme zu den heute üblichen Büro-Paketen zusammengelegt.

Diagramm zu diesem Kapitel

Lotus Symphony

Lotus wurde später von IBM aufgekauft und die klassische Tabellen-Kalkulation Lotus‑1‑2‑3 zum Büro-Programm-Paket Lotus Symphony weiter entwickelt.

Die seit dem Jahr 2000 rasch zunehmende Popularität der kostenfreien Alternativen verminderte die Wirtschaftlichkeit des Programms. Es wurde 2012 an ↓ OpenOffice übergeben.
Heute ist Lotus Symphony für alle gängigen Betriebssysteme frei verfügbar, wird jedoch vermutlich nicht weiter entwickelt.

Microsoft Excel

Angesichts der eindrucksvollen Erfolge von Lotus‑1‑2‑3 wurde von Microsoft 1982 das Tabellen-Kalkulations-Programm Multiplan für das Betriebssystem MS‑DOS entwickelt. Es blieb nur mäßig erfolgreich.

Als die Umstellung auf eine grafische Benutzer-Oberfläche unvermeidbar war, entwickelte man gleichzeitig mit MS‑Windows die Tabellen-Kalkulation MS‑Excel für grafische Bedienung.
Excel war jedoch viel früher fertiggestellt und kam daher 1985 in einer Version für den Apple Macintosh PC (!) erstmals auf den Markt.
Später wurde das anfangs wenig beliebte MS‑Windows sogar zeitweise zu Excel beigepackt: Das illustriert die Bedeutung der Tabellen-Kalkulation.

Excel wurde wesentlich besser und schneller weiterentwickelt und verdrängte alle anderen Kalkulations-Programme vom Markt, seit einigermaßen stabile Versionen von MS‑Windows verfügbar waren. Derzeit ist MS‑Excel mit großem Abstand Marktführer.

Mit den letzten Versionen von MS‑Excel wurde die klassiche Bedienung durch bunte Menü-Streifen ersetzt. Damit wird der Umstieg von Maus- auf Finger-Bedienung vorbereitet - nicht ganz zur Freude professioneller AnwenderInnen.

Seit 2011 forciert Microsoft den Umstieg auf das ↓ Cloud-Computing-Produkt Office 365. Das bringt (nur) dem Hersteller große Vorteile. Die traditionelle Desktop-Version (dezeit für MS‑Windows und Apple MacOS) wird jedoch noch einige Zeit verfügbar bleiben, solange der Markt-Anteil hoch genug ist.

OpenOffice

Das Projekt wurde ursprünglich unter dem Namen StarOffice entwickelt, 1999 von Sun aufgekauft und weltweit in großen Stückzahlen verbreitet. Es bot alle üblichen Komponenten, darunter mit 'Calc' ein voll kompatibles Kalkulations-Programm.
Bei der Entwicklung brauchte man nicht auf schwerfällige Altlasten Rücksicht nehmen und konnte neueste IT-Technologie verwenden (z.B. Java)

Das kostenfreie Programm wurde für alle gängigen Betriebssysteme angeboten. OpenOffice errang auf Linux rasch eine vergleichbare Monopol-Stellung wie MS‑Office/Excel auf Windows. In der Folge wurde das ausgezeichnete Produkt auch auf Windows in immer größeren Stückzahlen eingesetzt.

2010 wurde Sun Microsystems zusammen mit OpenOffice und einer Reihe anderer Top-Projekte (Java, MySQL, ...) von Oracle aufgekauft und kurzfristig eingestellt. OpenOffice war zu diesem Zeitpunkt ein erstklassiges, weltweit anerkanntes und verbreitetes Produkt.
Oracle hatte kein Interesse an einem kostenfreien Produkt. Praktisch alle EntwicklerInnen verließen das Projekt und entwickelten es unter dem Namen ↓ LibreOffice weiter.

Im Jahr 2011 wurde OpenOffice von Oracle an die Apache Software Foundation übertragen, wo es sich anfangs gut entwickelte. 2012 wurde auch das klassische Projekt ↑ Lotus Symphony an OpenOffice übertragen. In der unbetreuten Zeit verlor OpenOffice fast alle AnwenderInnen an ↓ LibreOffice.
Zuletzt wurde OpenOffice kaum mehr entwickelt. Man muss mit der Einstellung des Projekts rechnen.

LibreOffice

Das Büro-Paket LibreOffice ist eine unabhängige Weiterentwicklung des weit verbreiteten Pakets ↑ OpenOffice. Nach der Übernahme durch Oracle und der praktischen Einstellung des Projekts verließen alle wichtigen EntwicklerInnen den neuen Eigentümer und gründeten das LibreOffice Projekt.

Das Programm-Paket wurde trotz des bescheidenen Aufwands für Marketing rasch populär. Dazu trug auch die schnelle und professionelle Weiter-Entwicklung bei. Die meisten AnwenderInnen wechselten von OpenOffice auf LibreOffice.

Derzeit sind große Teile des Programm-Pakets in der Programmiersprache Java entwickelt. Java wurde ebenfalls von Oracle übernommen: Daher wird der Java-Anteil von LibreOffice (und von zahlreichen anderen Projekten) zugunsten anderer Programmiersprachen ( → C++) reduziert. Das macht die Entwicklung langsamer und teurer, die Programme jedoch kleiner, schneller und von Oracle unabhängig.

LibreOffice ist heute kostenfrei und in professioneller Qualität für alle gängigen Betriebssysteme verfügbar.
Praktisch alle Linux-Distributionen verwenden heute LibreOffice als Standard Büro-Programm-Paket.

Kompatibilität

In privaten Kommentaren findet man gelegentlich die Befürchtung, LibreOffice sei nicht 'wirklich' mit MS-Office kompatibel. Das trifft auf die in der normalen Praxis verwendeten Optionen dieser Programme nicht zu.

Bei genauer Ansicht der genannten Probleme stellt sich meist heraus, dass die Dokumente mangelhaft programmiert wurden und ihre Funktion oft auch in MS-Office von der jeweiligen Version abhängt. Das schließt tatsächliche Fehler nicht aus, relativiert jedoch voreilige Behauptungen.

Cloud-Computing

Die IT-Entwicklung befindet sich weltweit in einer Phase der Umstellung.

Die Verbreitung von traditionellen Schreibtisch-(Desktop)‑PC stagniert: Sie werden zunehmend durch mobile Hardware ersetzt.

Die Bedeutung von Betriebssystemen nimmt rasch ab. Alle gängigen Systeme bieten heute eine Auswahl an Standard-Software, die (fast) ohne Umstellung sofort verwendbar ist.

Alle Computer, SmartPhones und viele andere Geräte sind heute im Netzwerk verbunden. Browser und andere im Netzwerk arbeitende Programme haben Büro-Programme in der Bedeutung abgelöst.

Professionelle Software wird heute vorwiegend für Server entwickelt. Die Flut von Apps besteht mehrheitlich aus Spielzeug, oder dient als Front-End für die 'eigentliche' Server-Anwendung.
Ein im Netzwerk erreichbarer Server kann Programme und Daten für beliebig viele AnwenderInnen anbieten. Die Anzahl der gleichzeitigen Benutzer (Clients) ist nur durch die technische Leistung begrenzt, die man bei Bedarf rasch vergrößern kann.

Die Verteilung der Aufgaben zwischen Anbieter (Server) und Benutzern (Clients) ist nicht auf das Internet oder große Konzerne begrenzt.
Man kann in jedem lokalen Netzwerk mit minimalen Kosten einen Intranet-Server betreiben.
So kann man moderne IT-Technologie im eigenen Bereich nutzen, ohne dass man die Daten von einem internationalen Konzern verwalten lässt.

Büro-(Office)-Software wird von einer rasch wachsenden Zahl von Anbietern als Server-Programm-Paket eingesetzt. Diese Cloud-Programme (auch Tabellen-Kalkulation) laufen auf einem leistungsfähigen Server-Computer. Sie bestehen nicht wie klassische Desktop-Programme aus einer einzigen Datei (z.B. excel.exe) sondern aus einigen 1000 Teil-Programmen.
Der Zugang erfolgt über das Internet, man braucht zur Anwendung nur ein beliebiges (!) Browser-Programm.

Ein Server-Programm-Paket lässt sich vom Hersteller viel rascher und mit geringeren Kosten weiter entwickeln. Der enorme Aufwand für die Verteilung der Software fällt weg. Die Verluste durch Raub-Kopien fallen ebenfalls weg, da man den Zugang zum Server beliebig kontrollieren kann. Die zusätzlichen Kosten durch den Betrieb leistungsfähiger Server sind dagegen vernachlässigbar, weil der enorme damit ausgelöste Daten-Verkehr durch SteuerzahlerInnen finanziert wird.
Die Vorteile des Cloud-Computing sind daher vorwiegend für den Hersteller wirksam. Die Geschäftspolitik bestimmt den Preis für die AnwenderInnen.

Die Daten können technisch an jedem beliebigen Ort verwaltet werden. Derzeitige Cloud-Anbieter verwalten die Daten auf ihren eigenen Servern. Dabei kommen evtl. Gesetze anderer Staaten zur Anwendung. Angesichts der ungehemmten Spionage ist es eine Frage des Vertrauens, ob und welche Daten man einem Software-Konzern anvertraut.

■ Google bietet zahlreiche Cloud-Produkte an, darunter ein komplettes Office-Paket in Verbindung mit dem Cloud-Datenspeicher Google-Drive. Für die meisten Anwendungen ist die kostenfreie Version mehr als ausreichend, Google fordert lediglich eine namentliche Anmeldung.

■ Microsoft forciert den Umstieg seiner traditionellen Office-Kunden auf das Cloud-Produkt Office 365. Die Links wechseln ständig (und werden daher hier nicht angegeben), das Produkt wird jedoch auf zahlreichen Microsoft Webseiten beworben.