Tabellen-Kalkulation


Geschichte der Tabellen-Kalkulation

Bon Frankston
Bob Frankston
Bild: Wikipedia (modif.), CC BY‑SA 3.0
Bricklin und Frankston entwickelten das erste kommerziell verwendbare Programm, das keine Kenntnis einer Programmiersprache erforderte.

Visicalc arbeitete problemlos mit dem 32kiB Hauptspeicher des Apple-II PC. Heutige PC bieten >100000mal so viel Speicher.
Das war nur möglich, weil Visicalc direkt in der 'Maschinensprache' (Assembler) des legendären Prozessors 6502 von Chuck Peddle geschrieben war.


Bild: Gortu / Wikimedia (modif.) Public Domain
Die erste Tabellen-Kalkulation VisiCalc auf Apple-II: → Pseudo-Grafik auf einer Text-Konsole, Navigation mit Pfeil-Tasten. Das Programm wäre noch heute verwendbar, man müsste jedoch den Steuersatz von damals (!) 9.75% ändern ...

Das Programm weist alle grundlegenden Merkmale heutiger Kalkulations-Programme auf: Organisation in Spalten und Zeilen, Zellen mit Texten, Daten und Formeln.

Visicalc-Webseite des Entwicklers Dan Bricklin mit einer noch heute laufenden Version


Der Apple Macintosh-PC führte erstmals eine moderne grafische Oberfläche ein, vom Konkurrenten Microsoft zuerst verhöhnt, danach schleunigst nachgeahmt. Damit wurde auch die grafische Darstellung der berechneten Daten rasch und einfach zugänglich.



Alle Tabellen-Kalkulations-Beispiele dieses Webs laufen problemlos mit allen Versionen von MS-Excel ab MS-Excel-2000, sowie auf allen Versionen von LibreOffice und OpenOffice.
Lediglich von einigen Lösungen mit anspruchsvollen → Basic-(Makro)-Programmen gibt es geringfügig abweichende Versionen für MS-Excel (alle Versionen) und LibreOffice (ebenfalls alle Versionen).

Geschichte der Büro-Programm-Pakete


Die Praxis der Büro-Arbeit machte es notwendig, oft zwischen den zunächst eigenständigen Programmen zu wechseln und Daten auszutauschen.
Zuerst wurden dazu technische Erleichterungen entwickelt, später wurden die Programme zu den heute üblichen Büro-Paketen zusammengelegt.

Diagramm zu diesem Kapitel



Die seit dem Jahr 2000 rasch zunehmende Popularität der kostenfreien Alternativen verminderte die Wirtschaftlichkeit des Programms. Es wurde 2012 an ↓ OpenOffice übergeben.
Heute ist Lotus Symphony für alle gängigen Betriebssysteme frei verfügbar, wird jedoch vermutlich nicht weiter entwickelt.


Excel wurde wesentlich besser und schneller weiterentwickelt und verdrängte alle anderen Kalkulations-Programme vom Markt, seit einigermaßen stabile Versionen von MS‑Windows verfügbar waren. Derzeit ist MS‑Excel mit Abstand Marktführer.

Mit den letzten Versionen von MS‑Excel wurde die klassiche Bedienung durch bunte Menü-Streifen ersetzt. Damit wird der Umstieg von Maus- auf Finger-Bedienung vorbereitet - nicht ganz zur Freude professioneller AnwenderInnen.

Seit 2011 forciert Microsoft den Umstieg auf das ↓ Cloud-Computing-Produkt Office 365. Das bringt (nur) dem Hersteller große Vorteile. Die traditionelle Desktop-Version (dezeit für MS‑Windows und Apple MacOS) wird jedoch noch einige Zeit verfügbar bleiben, solange ihr Markt-Anteil hoch genug ist.



2010 wurde Sun Microsystems zusammen mit OpenOffice und einer Reihe anderer Top-Projekte (Java, MySQL, ...) von Oracle aufgekauft und kurzfristig eingestellt.
Praktisch alle EntwicklerInnen verließen das Projekt und entwickelten es unter dem Namen ↓ LibreOffice weiter. Fast alle AnwenderInnen wechselten ebenfalls zu LibreOffice.

Im Jahr 2011 wurde OpenOffice von Oracle an die Apache Software Foundation übertragen. 2012 wurde auch das klassische Projekt ↑ Lotus Symphony an OpenOffice übertragen. Nach guten Anfängen wurde OpenOffice allerdings kaum mehr entwickelt.
Das Projekt ist derzeit praktisch eingestellt.

StarOffice ( Home) ist heute wieder in einer kommerziellen Version verfügbar, die allerdings nur wenig verbreitet ist.



Derzeit sind große Teile des Programm-Pakets in der Programmiersprache Java entwickelt. Java wurde ebenfalls von Oracle übernommen: Daher wird der Java-Anteil von LibreOffice und von zahlreichen anderen Projekten zugunsten anderer Programmiersprachen ( → C++) reduziert. Das macht die Entwicklung langsamer und teurer, die Programme jedoch kleiner, schneller und von Oracle unabhängig.

LibreOffice ist heute kostenfrei und in professioneller Qualität für alle gängigen Betriebssysteme verfügbar.
Praktisch alle Linux-Distributionen verwenden heute LibreOffice als Standard Büro-Programm-Paket.



Bei genauer Ansicht der genannten Probleme stellt sich meist heraus, dass die Dokumente mangelhaft programmiert wurden und ihre Funktion oft auch in MS-Office von der jeweiligen Version abhängt. Das schließt tatsächliche Fehler nicht aus, relativiert jedoch voreilige Behauptungen.


Büro-(Office)-Software wird von einer rasch wachsenden Zahl von Anbietern als Server-Programm-Paket eingesetzt. Diese Cloud-Programme (auch Tabellen-Kalkulation) laufen auf einem leistungsfähigen Server-Computer. Sie bestehen nicht wie klassische Desktop-Programme aus einer einzigen Datei (z.B. excel.exe) sondern aus einigen 1000 Teil-Programmen.
Der Zugang erfolgt über das Internet, man braucht zur Anwendung nur ein beliebiges (!) Browser-Programm.

Ein Server-Programm-Paket lässt sich vom Hersteller viel rascher und mit geringeren Kosten weiter entwickeln. Der enorme Aufwand für die Verteilung der Software fällt weg. Die Verluste durch Raub-Kopien fallen ebenfalls weg, da man den Zugang zum Server beliebig kontrollieren kann. Die zusätzlichen Kosten durch den Betrieb leistungsfähiger Server sind dagegen vernachlässigbar, u.a. weil der enorme damit ausgelöste Daten-Verkehr durch SteuerzahlerInnen finanziert wird.
Die Vorteile des Cloud-Computing sind daher vorwiegend für den Hersteller wirksam. Die Geschäftspolitik bestimmt den Preis für die AnwenderInnen.

Die Daten können technisch an jedem beliebigen Ort verwaltet werden. Derzeitige Cloud-Anbieter verwalten die Daten auf ihren eigenen Servern. Dabei kommen evtl. Gesetze anderer Staaten zur Anwendung. Angesichts der ungehemmten Spionage ist es eine Frage des Vertrauens, ob und welche Daten man einem Software-Konzern (z.B. außerhalb der EU) anvertraut.

■ Google bietet zahlreiche Cloud-Produkte an, darunter ein komplettes Office-Paket in Verbindung mit dem Cloud-Datenspeicher Google-Drive. Für die meisten Anwendungen ist die kostenfreie Version mehr als ausreichend, Google fordert lediglich eine namentliche Anmeldung.

■ Microsoft forciert den Umstieg seiner traditionellen Office-Kunden auf das Cloud-Produkt Office 365. Die Links wechseln ständig (und werden daher hier nicht angegeben), das Produkt wird jedoch auf zahlreichen Microsoft Webseiten beworben.